„Im Moment, da man nach dem Sinn und Wert des Lebens fragt, ist man krank…“

Freud an Marie Bonaparte am 13.8.1937

 
Angststörungen

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Österreich, wobei damit eine ganze Gruppe von recht unterschiedlichen Erkrankungen bezeichnet wird. Diese reichen von anfallartigen Panikstörungen über dauerhafte Formen wie der Generalisierten Angststörung bis hin zu gerichteten Phobien. Der Begriff der Angststörung umfasst damit einerseits jene Phänomene, die Freud als Angstneurose bezeichnet hat und damit den Aktualneurosen zugerechnet hat, und andererseits Symptome, die er unter den Begriff der Psychoneurose zusammengefasst hat. Je nach Ausprägung der Angststörung stehen damit auch unterschiedliche Abwehrmechanismen im Vordergrund.

Die Psychodynamik von Angststörungen kann somit recht unterschiedliche Formen annehmen. Je nach strukturellen und dynamischen Voraussetzungen wird die Psychoanalyse bzw. die Psychotherapie bei Angststörungen einen speziellen Verlauf aufweisen. Ansatzpunkte für die Behandlung der Angststörungen können je nach Herangehensweise die Bearbeitung innerer Konflikte, die Reifung der Ich-Struktur sowie die Entwicklung sicherer Objektbeziehungen sein.

 
Depression

Die Symptome der depressiven Erkrankungen, wie gedrückte Stimmung, Freud- und Interesselosigkeit sowie ein vermindertes Selbstwertgefühl, haben viele Menschen schon einmal selbst erlebt. Halten diese Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum an, so ist eine Behandlung angebracht. Wesentlich für die Symptomatik der Depression sind aus psychoanalytischer Perspektive Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, die zu einer "Verarmung des Ichs" führen, wie Freud es ausdrückte.

Für Freud stellte die narzisstische Identifizierung mit einem verlorenen Objekt den charakteristischen Mechanismus der Depression dar. Das, was am Objekt gehasst wurde, wirft man nun sich selbst vor. Damit verortet Freud den Konflikt bei dieser Erkrankung zwischen Ich und Über-Ich. Dieser kann bis zu halluzinatorischen Erwartung von Strafen führen. Die Verarmung des Ichs wiederum führt zur Beeinträchtigung des Denkens und der Wahrnehmung. Die Selbstanklagen der Depression können somit kaum mit dem Verweis auf die Realität entkräftet werden.

 
Zwangsstörungen

Wesentlich für Zwangsstörungen sind immer wiederkehrende Handlungen oder Gedanken, die zwar in bestimmten Situationen sinnvoll oder angebracht wären, durch die Häufigkeit aber einen quälenden Charakter erlangen. Tägliche Routinehandlungen wie Körperhygiene, Kontrolle von Elektrogeräten und Ähnliches können so zu einem belastenden Prozedere werden. Zwänge gehören in manchen Lebensphasen zur normalen Entwicklung, nimmt jedoch die Häufigkeit, Dauer und Intensität ein solches Ausmaß an, dass die Betroffenen darunter leiden, dann ist eine Behandlung angebracht. Da die Symptome sich schleichend entwickeln und nicht plötzlich auftreten, kann es mitunter Jahre dauern, bevor die Betroffenen Hilfe in Anspruch nehmen.

 

Während man unter Zwangshandlungen Verhaltensweisen versteht, von denen man das Gefühl hat, sie ausführen zu müssen, obwohl sie selbst als sinnlos erachtet werden, so handelt es sich bei Zwangsgedanken um Vorstellungen, Ideen oder Impulse, deren Inhalt zwar als negativ empfunden wird, denen man sich jedoch nicht entziehen kann. Zwangshandlungen können auftreten, um als Ritual Zwangsgedanken unter Kontrolle zu bringen.

 

Freud hatte die Psychodynamik der Zwangsneurose als Konflikt, der aus einer frühen Entwicklungsphase stammt, zwischen archaischen Triebansprüchen und einem äußerst rigorosen Über-Ich beschrieben. Dieser Konflikt würde sich in der Symptomatik der Zwangsstörungen aber nur sehr vermittelt ausdrücken, da Mechanismen wie Reaktionsbildung, Isolierung, Verschiebung des Affekts, sowie Ungeschehenmachen den latenten, unbewussten Konflikt verschleiern. Teile der jüngeren Psychoanalyse sehen hingegen in der Zwangssymptomatik die Abwehr eines Autonomie-Abhängigkeits-Konflikts. Die Strebungen nach Autonomie würden in diesem Modell auf ein strenges Über-Ich treffen, das mit Bestrafung und Liebesentzug reagiert.

 
Somatoforme Störungen

Zentrale Symptome dieser Gruppe von Störungen sind körperliche Beschwerden, die über einen längeren Zeitraum anhalten, für die jedoch keine ausreichenden organischen Gründe gefunden werden konnten. Die Beschwerden können dazu führen, dass sich die Betroffenen aus dem sozialen Leben zurückziehen und Freizeitaktivitäten aufgeben.

Somatoforme Störungen können im Rahmen der Psychoanalyse auf verschiedene Weise interpretiert werden. Mit der Konversion hatte Freud einen Mechanismus bezeichnet, bei dem verdrängte Triebimpulse in einem Symptom zum Ausdruck kommen. Die Beziehung zwischen diesem somatischen, motorischen oder sensiblen Symptom zum unbewussten Konflikt wäre demnach sowohl ökonomisch als auch symbolisch zu deuten. Doch gerade die Frage, inwiefern das somatoforme Symptom eine Symbolisierung oder eben die Unmöglichkeit einer Symbolisierung darstellt, hat die Psychoanalyse immer wieder beschäftigt.

 
Sexualstörungen

Zu den Sexualstörungen zählen sexuelle Funktionsstörungen, Störungen der Geschlechtsidentität sowie Störungen der Sexualpräferenz. Sexuelle Funktionsstörungen liegen dann vor, wenn individuelle Ansprüche an eine erfüllte Sexualität nicht erfüllt werden können und somit ein Leidensdruck entsteht. Neben organischen Ursachen können auch psychische Gründe solche Funktionsstörungen hervorrufen. Von Störungen der Geschlechtsidentität spricht man, wenn eine Diskrepanz zwischen den Geschlechtsmerkmalen und der psychisch erlebten Geschlechtsidentität besteht. Die Schwierigkeiten beschränken sich meist auf den Bereich der Identität und berühren nicht den Sexualverkehr. Von einer Störung der Sexualpräferenz spricht man, wenn der Wunsch nach unüblichen sexuellen Praktiken über einen längeren Zeitraum besteht, diese einen suchtartigen Charakter annehmen und in einer ritualisierten Form vollzogen werden. Der Partner wird dabei oft als Objekt instrumentalisiert, ein subjektiver Leidensdruck kann auch bei den Betroffenen selbst entstehen. Zu diesen Störungen zählen etwa Exhibitionismus, Voyeurismus oder Fetischismus.

 

Bei den Sexualstörungen handelt es sich um keine gemeinsame Gruppe von Störungen, sondern um eine lose Zusammenfassung. Während die sexuellen Funktionsstörungen zumeist mit dem Problem der Angst verbunden sind und die Störungen der Geschlechtsidentität wiederum mit Fragen der Identifizierung, so handelt es sich bei den Störungen der sexuellen Präferenz um eine eigenständige Gruppe, die auch eine eigene Form der Psychodynamik aufweist. Dies kann unter anderem als Abwehr genitaler Sexualität verstanden werden oder auch als eine Form, das Ich zu stabilisieren. 

 
Persönlichkeitsstörungen

Von einer Persönlichkeitsstörung kann man sprechen, wenn sich bestimmte anhaltende Verhaltensmuster als starre Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Entscheidend ist außerdem, dass diese Verhaltensweisen gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung eine deutliche Abweichung im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen darstellen. Aus dieser Konstellation kann für die Person selbst oder auch für die Umgebung ein erhebliches Leid entstehen. Diese starren Erfahrungs- und Verhaltensmuster bestehen meist schon über einen langen Zeitraum und reichen bis ins Kinder- und Jugendalter zurück. Charakteristisch ist außerdem, dass diese Verhaltens- und Denkmuster meist nicht als störend oder krankhaft erlebt werden. Erst die Konfrontation mit Problemen, die sich mit der Umgebung ergeben, führen zu der allmählichen Einsicht, dass ein Problem vorhanden ist. Die häufigsten Persönlichkeitsstörungen sind die Borderline-Persönlichkeitsstörung, die dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie die histrionische Persönlichkeitsstörung.

Kontakt

Folgende Kontaktmöglichkeiten gibt es:

Mag. Sebastian Baryli

Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision

Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie

Säulengasse 7/4
1090 Wien

 

0680-318 46 60

baryli@psychoanalyse.or.at

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